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17.05.2019, 12:38 Uhr
Wahlprüfsteine zur Bürgermeisterwahl: Patrick Koch
Die Bürgermeisterwahl rückt näher und so ist es auch an der Zeit, die von den Kandidaten beantworteten Wahlprüfsteine zu veröffentlichen. Mit vielen Themen haben sich die Kandidaten auf Anfrage der CDU hin beschäftigt. 
Im Folgenden lesen Sie die Antworten von Patrick Koch (SPD).
1. Welche fünf Themen sind Ihnen in den kommenden sechs Jahren am Wichtigsten?
Es gibt eine Vielzahl von Dingen, welche die Stadt und ihre Gesellschaft beschäftigen. Vieles bedingt einander und baut aufeinander auf. Hier fünf Themen singulär zu benennen ist nicht einfach. Wenn man aber eine Gesamtschau abhält, so finde ich die nachfolgenden Themen besonders wichtig, da sie m.E. Schlüsselthemen sind:
a) weitere finanzielle Konsolidierung des Stadthaushaltes
Die Finanzen in Ordnung zu halten ist m.E. das A & O, weil der Weg in neue Kassenkredite auf alle Fälle verhindert werden muss. Ich bin über die Entwicklung der letzten Jahre, die insbesondere durch das Haushaltssicherungskonzept von 2014 ermöglicht wurde, sehr erfreut, jedoch kann man sich auf diesen "Lorbeeren" nicht ausruhen und muss weiter finanziell vorsichtig agieren.
b) Nachhaltige und kluge Stadtentwicklung
Für eine Stadt wie Pfungstadt, die im Ballungsraum liegt, ist weiteres Wachstum fast schon zwangsläufig notwendig. Dieses muss aber mit Behutsamkeit und zum Wohle der Allgemeinheit (Stadt) geschehen.
Die SEG ist hier der richtige Hebel, der sicherstellt, dass die Ausweisung von Wohn- oder Gewerbeflächen (diese braucht Pfungstadt genauso wie Wohnungen!) so erfolgt, wie die Stadtverordneten sich dies vorstellen.
Investorenmodelle nutzen meist denen, die Rendite erzielen möchten. Dies finde ich kritisch und bin daher froh, dass wir unsere Stadt selbst entwickeln wollen. In diesem Zusammenhang möchte ich noch anfügen, dass ich zu 100% hinter den von der Stadtverordnetenversammlung beschlossenen Zielen stehe und insbesondere die Ansiedlung von Menschen höherer Einkommensschichten vorantreiben möchte, um die Bevölkerungsstruktur ausgewogener zu gestalten.
c) weitere Sanierung der städtischen Infrastruktur vor Schaffung neuer
In den vergangenen Jahren ist es uns gelungen einen Teil des Investitionsstaus der vergangenen Jahre aufzulösen. Bevor neue kostenintensive Projekte begonnen werden, muss erst mal die vorhandene
Infrastruktur, ob Kanal, Wasserleitung, Straßen oder Gebäude in Ordnung sein. Jede und jeder würde das bei sich zuhause auch so machen. In der Politik neigt man dazu, den durchaus auch berechtigten Forderungen der Bevölkerung gerne nachzugeben und auf "Pump" Dinge zu bauen, die man sich eigentlich nicht oder nicht in diesem Maße leisten kann. Das finde ich durchaus problematisch und die Erfahrungen mit Sauna/Schwimmbad haben ja letztlich uns allen schmerzhaft vor Augen geführt, dass man bevor man neues errichtet erst mal vorhandene Dinge in Ordnung bringen sollte.
d) Umsetzung und konsequente Verfolgung der beschlossenen sieben Ziele der Stadt Pfungstadt
In einem aufwendigen, transparenten und zielführenden Prozess hat die Stadt Pfungstadt sich Ende 2019 Ziele gesetzt und ihr Handeln auf sieben Handlungsprämissen fokussiert. Dies umzusetzen ist die Aufgabe von allen handelnden Personen, ob in Politik oder Stadtverwaltung. Hier müssen dann auch m.E. persönlich ggf. andere Prioritäten zurückstehen. Hier beziehe ich mich und meine eigene Meinung ausdrücklich mit ein. Allen alles zu versprechen ist nicht möglich und führt gewiss in die Beliebigkeit. Die sieben Ziele sind aus meiner Sicht klug gewählt, auch wenn ich alleine möglicherweise anders entschieden hätte. Aber es ist sinnvoll einen gemeinsam eingeschlagenen Weg auch zusammen zu gehen.
e) Weiterer Ausbau der Kinderbetreuung und verbesserte Angebote für Familien
Dies ist zwar eines der und d) angesprochenen Ziele der Stadt, aber ich sehe hier auch eine zwingende Notwendigkeit. Wenn wir für den Personenkreis, den wir in Pfungstadt hauptsächlich ansiedeln wollen (siehe Antwort b) attraktiv sein möchten, dann bedeutet dies auch, dass die Infrastruktur und die Betreuungsangebote für Kinder stimmen müssen. Hier wird langfristig die
neue 6gruppige Kita in der Gradignanstrasse nicht ausreichen, da neben der Quantität von Betreuung auch die Qualität eine zunehmendere Rolle spielen wird und Eltern auch verstärkt hierauf achten.
 
2. Nennen Sie die drei wichtigsten Zukunftsprojekte für unsere Stadt und erläutern Sie warum!
Auch hier ist eine Reduzierung auf drei Themen schwierig, dennoch versuche ich es gerne:
a) Ansiedlung von nachhaltigem Gewerbe, welches Steuern einbringt.
Man kann nur das Geld ausgeben, welches man eingenommen hat. Unternehmen die wir ansiedeln sollten im besten Fall wenig Fläche verbrauchen, viele möglichst hochbezahlte Arbeitsplätze schaffen und
zudem noch kräftig Gewerbesteuern zahlen. Diese Sorte Firmen sind rar. Dennoch ist es wichtig, dass wir für solche Firmen Ansiedlungsmöglichkeiten schaffen. In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, dass wir unbedingt Erweiterungsflächen im Biotechpark schaffen und das Land davon überzeugen, dass der Bannwald im Osten Pfungstadts hier eine Entwicklung verhindert.
b) Erfolgreicher Hessentag 203
in dem unter a) genannten Kontext ist auch der Hessentag zu nennen, der sicherlich, wenn wir es richtig anpacken und ich habe da keinen Zweifel, dass uns das gelingen wird, einen deutlichen Impuls für die Stadtentwicklung auslösen wird. Der Hessentag kann möglicherweise einige Projekte realisieren, die ohne ihn nicht umsetzbar wären. Als Beispiel sehe ich Potentiale in der Innenstadt, die für die Zukunft Pfungstadts wichtig sein können. So wäre denkbar, dass die Modau in der Kirchstraße geöffnet werden könnte (aber nur, wenn ausreichender Parkraum geschaffen wird), die Eberstädter Str. partiell in eine Art Fußgängerzone mit attraktivem Aufenthaltscharakter umgestaltet wird, oder aber auch im Bereich der Bergstraße, die durch die Westumgehung eine verkehrliche Entlastung erfährt, Attraktivierungen möglich sind.
Das Landesprogramm "Soziale Stadt" fördert Begegnungsstätten und bauliche Maßnahmen zur Verbesserung in bestimmten Stadtvierteln - auch hier könnte der Hessentag ein hilfreiches Vehikel sein in heutigen "Problembereichen" Treffs für Senioren, Jugendliche oder andere Gruppen, die derzeit nicht über ein üppiges Überangebot verfügen, zu schaffen.
c) Schwimmbad
Einer Stadt wie Pfungstadt steht sicher ein Bad gut zu Gesicht und insbesondere in der Bevölkerung ist der Wunsch danach deutlich zu verspüren, dennoch - hier verweise ich auf die Frage 1 - ist dies ein Projekt
das weder durch die Ziele gedeckt ist, noch ohne Weiteres finanziell gestemmt werden kann. Dennoch sehe ich eínen Handlungsbedarf und wünsche mir für die Zukunft, dass es uns gelingt Schwimmen wieder zu ermöglichen.

3. Wie wollen Sie den Zusammenhalt der vier Teile der Kommune Pfungstadt verbessern bzw. stärken?
Insbesondere in den Stadtteilen fühlen sich Menschen vielfach nicht ausreichend wahrgenommen und im Verhältnis zu den in der Kernstadt lebenden Menschen nicht genügend berücksichtigt. Unabhängig davon, ob diese subjektive Wahrnehmung objektiv tatsächlich so ist, muss dieses
Gefühl einem kommunalpolitisch verantwortlichen Menschen Sorge machen.
Zwar ist insbesondere im Stadtteil Hahn in den vergangenen Jahren erhebliches passiert, ich erinnere da an die Dorferneuerung in Hahn, den Neubau einer Schule, die Schaffung einer zweiten KitA, die Entwicklungen um den SV Hahn, das Bürgerzentrum oder auch die Neugestaltung der Gernsheimer Str., dennoch werden diese eindeutig positiven Entwicklungen nicht von allen als solche wahrgenommen.
Schwieriger ist es im Stadtteil Eschollbrücken/Eich. Hier fehlt seit 30 Jahren ein Neubaugebiet (das nun ja geschaffen wird), auch in puncto Kinderbetreuung ist der Bedarf eindeutig zu erkennen. Nahversorgung wird nur durch das Eschollbrigger Lädche ermöglicht.
Die Dorfgemeinschaft und der Zusammenhalt in den Stadtteilen spielt meiner Meinung nach eine wichtige Rolle. Deshalb hatte ich vor Jahren die Mittel für den Ortsbeirat vorgeschlagen und eingeführt. Zu meinem Bedauern hat dies
aber leider nicht den Effekt gehabt, den ich damit erreichen wollte. Vielmehr gab es Unsicherheiten und auch Streit wie die Mittel verwendet werden sollten. Dennoch ist es richtig, dass auch die Ortsbeiräte Möglichkeiten haben müssen etwas konkret realisiert zu sehen. Daher würde ich gerne an diesem Angebot festhalten und inzwischen findet ja auch seitens der Ortsbeiräte eine "Gewöhnung" an die neuartige Situation über "eigene" Mittel zu verfügen, statt.
Das Anrufsammeltaxi ist eine gute und sinnvolle Ergänzung zum ÖPNV Angebot, welches in den Stadtteilen als weniger zufriedenstellend angesehen wird. Ich kann mir vorstellen, dass Verbesserungen in diesem Bereich auch die Verbindungen zwischen den Stadtteilen und der Kernstadt verbessern und Menschen näher zusammenbringen. Weiterhin denke ich sind die Entwicklungen von Kooperationen unter den Vereinen förderungswürdig und
die Wechsel des Wohnsitzes von der Kernstadt in die Stadtteile und umgekehrt (welche ja einige Menschen innerhalb unserer Stadt durchführen) führt dazu, dass sich dich Menschen weniger als "Eschollbrücker", "Eicher" oder "Hahner" sehen, sondern als Pfungstädter. ÖPNV, Vereine und Baugebiete sind hier sicherlich probate Mittel die Gemeinschaft auch innerhalb Pfungstadts zu stärken.

4. Wie stellen Sie sich ein Schwimmbad in Pfungstadt vor (Konzept, max. Baukosten, max. Betriebskosten, etc.)?
Derzeit sind 3 höchstunterschiedliche Vorstellungen eines neues Bades in der Diskussion. Diese werden am 25.4. vorgestellt und anschließend diskutiert. Egal wie: Ein neues Bad wird Geld kosten und hier reden wir nicht von wenig Geld. Mit rund 500.000 bis 1 Mio pro Jahr würde ein Bad wohl den städtischen
Haushalt jährlich belasten. Das Konzept des Dachverbandes Schwimmen finde ich grundsätzlich am besten, halte es aber nur für realisierbar, wenn tatsächlich Land und Bund hier mittels Investitionskostenzuschuss einen Beitrag leisten (1 Mio. Baukostenzuschuss = 50.000 Euro weniger Betriebskosten jährlich. Wenn es uns gelingt hier Mittel zu bekommen (sind ja beantragt), und der Landkreis ebenfalls einen fairen Beitrag leistet, dann wäre das Konzept nach meiner Vorstellung mit einem Zuschuss von rund 500.000
Euro jährlich umsetzbar - das halte ich für einen vertretbaren Preis von rund 20 Euro/Jahr/Bürger. Ggf. muss aber auch hier noch deutlich "abgerüstet" werden, da die derzeitigen Baukosten von rund 15 Mio. Euro doch sehr hoch sind und die Vorstellungen was entstehen könnte ggf. nicht unbedingt dem entsprechen, was man sich in Pfungstadt leisten kann und möchte.
Im Zusammenhang mit dem Schwimmbad wird oft der Investitionsbeitrag der Hessenkasse genannt. Dies ist aus meiner Sicht selbstverständlich zulässig, darf aber den Blick auf anderes nicht verstellen. Geld aus der Hessenkasse, welches wir im Schwimmbad einsetzen, fehlt an anderer Stelle.

5. Wie soll sich die Wohnsituation für bezahlbares und höherwertiges Wohnen in Pfungstadt in einem städtebaulichen Gesamtzusammenhang entwickeln?
Die Ziele der Stadt sind klug gefasst und man hat erkannt, dass ein einseitiges Setzen auf sozialen Wohnungsbau nicht unbedingt die positivsten Effekte auf die Stadt hat. Daher ist mein Ansatz, der schon im Gebiet Grüner Weg realisiert werden soll, dass man in Wohngebieten einen Mix aus einerseits attraktiven, größeren und teureren Grundstücken schafft, gleichzeitig aber mit diesen Mehreinnahmen an anderen Stellen in dem Gebiet kleinere Grundstücke für bestimmte Personenkreise günstiger als marktüblich
anbietet (Reihenhaus, Doppelhaus). Zudem soll und wird auch Geschossflächenbau entstehen.
Ob dadurch aber das was einige Menschen als "bezahlbar" betrachten vollumfänglich entsteht, bezweifele ich durchaus. Für viele Einkommensschichten werden auch die dortigen Konditionen nicht "bezahlbar" sein. Diesbezüglich verweise ich auf die angedachten Konzeptausschreibungen im Zusammenhang mit der Bahnhofstr.,
dem Friedhofserweiterungsgelände oder dem Haus Hessenland. Hier und ggf. auch in der Goethestr. 64 wäre es möglich Wohnraum in geeigneter Art und Weise als Stadt zu "subventionieren".
 
6. Welche Maßnahmen zur Haushaltssicherung (bei z.B. sinkenden Steuereinnahmen) werden Sie ergreifen?
Wie bereits gesagt: Sich nur das leisten, was auch tatsächlich geht. Nicht allen alles versprechen, sondern Prioritäten setzen (beschlossene Ziele). Erst mal die vorhandene Infrastruktur in Schuss bringen, bevor ich neue erschaffe. Damit wäre schon viel erreicht.
Natürlich ist bei sinkenden Einnahmen auch mit Kürzungen von Leistungen zu rechnen. Damit einher ginge ein Personalabbau, der aber nicht einfach so machbar ist, da bestehende Arbeitsverträge fortbestehen. Allerdings müsste bei einem Personalabbau auch berücksichtigt werden, dass in diesem Fall dann auch Leistungen zwangsläufig wegfallen müssen. In erster Linie, und das haben wir ja auch gemeinsam 2014 getan müssten aber sog. freiwillige Leistungen eingeschränkt werden. Viele Mittel sind auch nicht ohne
weiteres frei verfügbar - das machte ja die Haushaltskonsolidierung so schwierig. Wir tun gut daran auf Sicht zu fahren und uns nicht alles was wünschenswert zu leisten - das ist die beste Prävention vor künftigen Haushaltskrisen. Daher bin ich kein Freund großartiger Versprechungen, wie sie in Wahlkämpfen leider immer wieder vorkommen.
 
7. Wie wollen Sie die Wirtschaftsförderung künftig gestalten?
Ich denke wir müssen zwischen zwei grundlegenden Arten der "Wirtschaftsförderung" unterscheiden. Zwar haben wir die Geschäfte in der Innenstadt - diese ist im Vergleich mit anderen sehr attraktiv
und auf alle Fälle unterstützenswert. Jedoch verstehe ich unter "Wirtschaftsförderung" etwas anderes. Hier geht es um Ansiedlung von Unternehmen und das Kümmern um solche. Daher müssen wir dieses
Thema etwas differenzierter betrachten. Mit der SEG haben wir bereits ein inzwischen etabliertes Werkzeug des Kontaktes und des Kümmerns für die Gewerbebetriebe geschaffen. Dieses schätzen das Wirken auch und nutzen den direkten Draht. Hier kann ich mir einen Ausbau der Kapazitäten durchaus vorstellen, damit wir weiterhin als effektiver und schneller Ansprechpartner für Unternehmen wahrgenommen werden. Auch die Auflösung des Vertragsverhältnisses mit der HLG wird für die Stadt Vorteile schaffen. Dann ist nur noch ein Spieler bei der Vermittlung von Grundstücken im Boot. Die notwendige Überplanung des Industriegebietes wird ebenfalls Unternehmen Sicherheit geben und deren Entwicklung positiv beeinflussen. Wirtschaftsförderung kann und wird auf vielen Ebenen geleistet - weniger durch direkten Zuschuss (Beihilfe, daher schwierig), denn durch einen direkten Draht zur Stadt, durch Vernetzung untereinander oder durch das Schaffen von Möglichkeiten. Hier ist sicher noch Luft nach oben, aber den Weg, den wir seit rund 3 Jahren eingeschlagen haben, der stimmt aus meiner Sicht und sollte fortgeführt werden.
 
8. Wie stellen Sie sich die Zukunft des E-Werks vor (Konzept, max. Kosten, etc.)?
Mir ist bewusst, dass das E-Werk ein sehr emotionales Thema ist. Das ist auch verständlich, weil es in der Tat von so unterschiedlichen Seiten betrachtet werden kann und werden muss, dass es hier kaum eine
einheitliche Meinung geben wird.
Dennoch bin ich froh, dass es gelungen ist, das historisch wertvolle Gebäude im Herzen unserer Stadt zu erhalten und von einem optischen "Schandfleck" in ein hübsches und zumindest teilweise nutzbares Gebäude zu versetzen. Schon beim ersten Beschluss zum E-Werk im Sommer 2016 hatte ich mich dafür eingesetzt, dass man gleich das Dach mit abdichten sollte. Leider gab es damals dafür keine Mehrheit. Die nun vorliegende Beschlusslage, die Halle ganzjährig nutzbar zu machen, ist quasi zwingende Konsequenz aus den
Renovierungen, da man der Bevölkerung kaum verkaufen kann, dass man die Halle nur im Sommerhalbjahr nutzen kann. In dieser Hinsicht stehe ich zu der beschlossenen Maßnahme. Auch die Vorstellung, dass ein runder Tisch an dem auch viele Experten sitzen sich mit dieser Angelegenheit befasst halte ich für eine gute und letztlich Akzeptanz schaffende Maßnahme.
Die Idee aus dem Sommer 2018, das Gebäude an jemanden externen zu vermieten/verpachten, um dort für "Leben in der Bude" zu sorgen, finde ich immer noch charmant, da ich eine Programmgestaltung durch städtische Kräfte mir nur sehr schwer (und teuer) vorstellen kann. Jedoch muss sich das alles auch finanziell im Rahmen halten. wir haben rund 1,1 Mio Euro in das Gebäude bisher gesteckt. Rund 800.000 Euro bräuchte man schätzungsweise, wenn man alle "Wünsche" erfüllen will. Dies muss m.E. nicht auf Anhieb geschehen.
So wäre mir zunächst wichtig das Dach abzudichten und die Halle mit einer Belüftung/Heizung zu versehen. Weitere Ausbauschritte (Theke, Licht, Ton, Bühne, Möbel) würden aus meiner Sicht nach und nach hinzukommen
können. Allerdings müsste man sich mittel- und langfristig über die Anzahl der öffentlich zugänglichen Veranstaltungsräume Gedanken machen. Mit der Säulenhalle, der Synagoge oder dem Mühlbergheim verfügt die Stadt schon jetzt über adäquate Räume ähnlicher Größe. Hier wären im Gegenzug zur Nutzbarmachung der Halle des E-Werkes Überlegungen über die Nutzung und die Zukunft der anderen Räume notwendig. Sollte die Idee von showmaker Entertainment umgesetzt werden, kann ich mir vorstellen, dass die Stadt das
Gebäude gegen die Zahlung der Betriebskosten (Strom, Wasser, Heizung etc.) überlässt. Eine Vollausstattung oder gar ein kräftiger Zuschuss zum Betrieb ist aus derzeitiger Sicht wohl kaum finanziell darstellbar.
 
9. Wie soll sich die Vereinslandschaft und deren Förderung Ihrer Meinung nach entwickeln?
Vereine sind das Salz in der Suppe eines Gemeinwesens. Die Stadtgesellschaft profitiert von den Vereinen enorm, dort wird wertvolle Jugendarbeit geleistet und deshalb unterstützt die Stadt das Ehrenamt ja auch
nach Kräften. Dennoch muss man aufpassen, dass mit Steuergeld nicht Dinge unterstützt werden, die nicht unbedingt einer Unterstützung bedürfen. So ist der im Haushaltssicherungskonzept festgeschriebene Ansatz, dass vorrangig Jugendarbeit und die Unterhaltung von Gebäuden/Anlagen unterstützt werden soll aus meiner Sicht absolut richtig. Hier gilt es nun langfristig tragbare Förderrichtlinien zu beschließen, die noch mehr als die Vereinbarung mit den Sportvereinen diesem Ansinnen Rechnung trägt.
Ich denke, dass der Ansatz von derzeit rund 300.000 Euro an Vereinsförderung eine stolze Summe ist, mit der die Stadt das Ehrenamt unterstützt. Forderungen nach "mehr" wird es immer wieder geben,
unabhängig von der Höhe. Daher wäre mir vor einer Erhöhung des Betrages ein genaues Hinschauen auf die Effizienz der Mittelverwendung wichtig. Fusionen oder Kooperationen von Vereinen, die gemeinsam etwas bewegen wollen, verdienen Unterstützung, auch dies könnte ich mir vorstellen in neuen Regeln mit aufzunehmen. Bei einer Neujustierung wird es Gewinner und Verlierer geben, das muss allen bewusst sein und dies muss auch politisch ausgehalten und den Betroffenen ausreichend dargestellt werden.
Kooperationen von Vereinen, wie sie sich z.B. bei TSV und Germania abzeichnet sind sinnvoll und verdienen ebenfalls Unterstützung durch die Stadt.

10. Wie sieht für Sie der perfekte Hessentag aus und wie soll diese Vorstellung erreicht werden?
Perfekt wäre er, wenn wir 1 Mio Besucher hätten und der Anteil der Mittel, die die Stadt Pfungstadt aufbringt bei null wäre. Das wird aber ganz objektiv betrachtet nicht geschehen können. Die bereits in der Erstphase der Hessentagsüberlegungen diskutierten Zahlen von rund 2 Mio. städtischen Kosten müssen aus meiner Sicht reichen, viel Luft nach oben darf es da nicht geben. Hofgeismar oder Herborn und Korbach haben gezeigt, dass man ein schönes Landesfest auch ohne ein Defizit wie das von Rüsselsheim oder
Bensheim machen kann. Das ist genau meine Vorstellung.

11. Gibt es in der Stadtverwaltung einen Modernisierungsbedarf und wie können die vorhandenen Stellen gesichert werden (z.B. wg. der Folgen der Digitalisierung)?
Selbstverständlich gibt es einen Modernisierungsbedarf - damit meine ich aber nicht die Gebäude (die zwar auch modernisierungsbedürftig erscheinen), sondern den ein oder anderen Arbeitsablauf.
Wir sind sicher im Vergleich mit anderen Verwaltungen ganz ordentlich aufgestellt und vieles läuft bei uns schneller ab als andernorts, jedoch ist mir vieles immer noch zu starr und bürokratisch (das liegt aber oft auch an den vielen Regeln, die einfach beachtet werden müssen!). Das nervt selbst
mich häufig, ist aber auf die Schnelle nicht zu verändern, da bei allen Umstellungen ja auch das Tagesgeschäft nicht darunter leiden darf, mithin die Bürgerinnen und Bürger keinen Nachteil erfahren sollten.
Ich bin der Meinung, dass es weniger um die "Sicherung vorhandener Stellen", denn um eine effektive Verwaltungsabwicklung gehen muss. In manchen Bereichen sind wir auch beim Thema Digitalisierung erheblich vorangekommen (z.B. Kitaplaner, papierloses Büro der Steuerabteilung), anderes ist in Umsetzung (z.B. elektronischer Rechnungsworkflow). In vielen Bereichen werden uns die gesetzlichen Bestimmungen automatisch zu mehr Digitalisierung zwingen (Onlinezugangsgesetz, e-Government).
Hier wird es (nicht nur in Pfungstadt) gewaltige Veränderungen geben (müssen) und einige heutige Arbeitsplätze werden sich innerhalb der Verwaltung sicher stark verändern. Dies führt aber bei den Beschäftigten oft zu Widerstand gegen Veränderungen, zur Sorge und zu Verunsicherungen. Das
erlebe ich derzeit beim e-Rechnungsworkflow - hier müssen wir alle Beteiligten mit einbeziehen und das Know-how nutzen. Kooperationen mit anderen Kommunen (man muss ja nicht das Rad überall neu erfinden) können hierzu ebenfalls positiv wirken. Insbesondere mit Griesheim stehe ich in gutem
Austausch und kann mir vorstellen, dass wir auch beim Thema Klimamanager eine Zusammenarbeit hinbekommen. Diese ist auch notwendige, da vielfach das Fachwissen nicht endlos vermehrbar ist.
In puncto Digitalisierung (mehr der Stadt, weniger der Stadtverwaltung) sehe ich die Zusammenarbeit mit der entega AG, welche neue Technologien in der Region etablieren möchte, als eine Chance. Hier gibt es ganz unterschiedliche
Ansätze, wie z.B. E-Car oder E-Bike Sharingstationen, flexible LED Straßenbeleuchtung, mobile Kommunikation mit dem neuen LoraWAN Standard und einiges mehr. In Kürze werden wir (entega und ich) die sich für
Pfungstadt bietenden Möglichkeiten an dem Projekt "Smart Region" teilzunehmen vorstellen. Ich bin überzeugt, dass das Setzen auf neue Technologien auch hier Pfungstadt in Gesamtheit attraktiver macht. Auch der Hessentag, bei dem man diese Dinge dann schon (teilweise) umgesetzt präsentieren kann, bietet hier eine große Chance, die ich nutzen möchte. Das Projekt Smart Region ist m.E. nach auf alle Fälle ein digitales Zukunftsprojekt,
welches wir nicht an uns vorbeilaufen lassen sollten.