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25.09.2018, 10:01 Uhr
Kita-Situation in Pfungstadt
Kita`s geplant ausbauen, Qualität steigern und Flexibilität bei Nachfrageänderungen sicherstellen
Wieder einmal gibt es in der Pfungstädter Kommunalpolitik Streit um den rechten Weg bei der Kinderbetreuung. Dieser „Wettstreit“ um gute oder bessere Lösungen ist angemessen und berechtigt, da die Betreuung unserer Kinder in Kita`s eine der wichtigsten Aufgaben der Stadt ist.
Dr. Eberhard Klüber (Fraktionsvorsitzender)
Allerdings ist es hierbei besonders hilfreich sich an den tatsächlich vorliegenden Verhältnissen zu orientieren und dies zur Basis von Diskussion und Entscheidung zu machen.
Von Amt für Familien und Soziales wurde umfangreiches Zahlenmaterial zur Verfügung gestellt. Für die Kinder im Kitaalter (3 – 6 Jahre alt) ergibt sich danach das folgende Bild:


Man erkennt, dass die Anzahl der Kinder nach einem starken Anstieg zwischen 2015 bis 2017 (Zunahme um knapp 50 Kinder/Jahr) danach deutlich schwächer ansteigt (Zunahme um ca. 10 Kinder/Jahr).

Am Stichtag 01.03.2018 hatten wir in Pfungstadt eine Betriebserlaubnis für 1001 Kitaplätze, von denen nach Anrechnung der Integrationsplätze immerhin 922 hätten vergeben werden dürfen. Tatsächlich waren aber nur 871 Plätze belegt; d.h. 51 Kitaplätze waren nicht belegt. Auf der Basis der tatsächlich belegen Kitaplätze ergibt sich eine Nachfrage für 83% aller Kinder und ein Angebot für 88% aller Kinder im Kindergartenalter. Daraus wird deutlich, dass in Pfungstadt zur Zeit ausreichend Kitaplätze vorhanden sind. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass im Mittel pro Kitagruppe nur 20,3 Kinder angemeldet sind (die Zahl der tatsächlich anwesenden Kinder ist noch einmal kleiner) besteht auch die Chance auf eine qualitativ hochwertige Betreuung unserer Kinder. Dies gelingt dann besonders gut, wenn alle Planstellen von Erzieherinnen und Erziehern besetzt sind und dort geringe Fehlzeiten durch Krankheiten vorhanden sind.

Selbstverständlich darf die Situation in der Gegenwart nicht den Blick für die Zukunft verstellen. Der erwartete Anstieg der Geburtenzahlen und die Ausweisung von neuen Baugebieten wird zu einem gewünschten und erhofften Anstieg der Kindergartenkinder in Pfungstadt führen. Auch die von der Landesregierung ermöglichte Beitragsfreiheit führt wahrscheinlich zu einer Nachfragesteigerung bei den Kitaplätzen.

Das Gebot der Stunde lautet also: „Kita`s geplant ausbauen, Qualität steigern und Flexibilität bei Nachfrageänderungen sicherstellen“.

Diese Überlegungen führen bei der CDU-Fraktion zu folgendem Konzept:
- Im Nordwesten soll eine neue Kita gebaut werden. Die Kita wird zwar für 6 Gruppen gebaut; allerdings werden zunächst nur 4 Gruppen eingerichtet und betrieben. Damit gewinnt man Flexibilität bei Nachfragesteigerungen und hat z.B. Ersatzräume, falls in anderen Kita`s Großreparaturen durchgeführt werden müssen.
- Durch die neue Kita Nordwest können die beiden Notgruppen (Wiesenhüpfer und Rappelkiste) aufgelöst werden. Dies führt zu einer Qualitätsverbesserung bei der Kitabetreuung. 
- Der Betrieb der neuen Kita soll ausgeschrieben werden und durch einen freien Träger erfolgen. Damit werden die Angebotsvielfalt für die Eltern erweitert, marktge-rechte Kosten für die Stadt sichergestellt und das Potenzial von Trägern mit mehreren Standorten genutzt.
- Im Zusammenhang mit dem erwarteten Bevölkerungswachstum aus den Neubau-gebieten in Eschollbrücken und in der Kernstadt muss über Erweiterung bzw. Neubau von Kita´s nachgedacht werden. Wir setzen uns dafür ein, entsprechende Bauflächen schon jetzt einzuplanen bzw. vorhandene Raumreserven dann schnell zu aktivieren.

Mit diesem Konzept wird es ab 2020 in Pfungstadt ca. 975 belegbare Kitaplätze für dann über 90% aller Kindergartenkinder geben. Mit der Flexibilitätsreserve von 50 Plätzen in der neuen Kita Nordwest sind wir dann auch für die folgenden Jahre gut gerüstet.

In der Verwaltung unserer Stadt wünschen wir uns für die Zukunft eine organisatorische Trennung zwischen „Betrieb der städtischen Kita`s“ und „Qualitätssicherung und Kontrolle für alle Kita`s“.

Bisher gibt es keine systematische Qualitätssicherung in diesem Bereich und auch eine qualifizierte Rückmeldung der Empfänger der Dienstleistung „Kinderbetreuung“, nämlich Eltern und Schulen, sucht man bisher vergebens. Kostentransparenz ist zur Zeit ebenfalls nicht gegeben. Entsprechende Berichte wären dringend erwünscht.